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Merkblatt Krisenvorsorge (Erdbeben) (Stand 2017)

26.01.2021 - Artikel

Hintergrund

Da Taiwan an dem Schnittpunkt zwischen der eurasischen Platte und der Philippinen-Platte liegt, sind Erdbeben recht häufig. Laut Statistik geschehen 70 Prozent aller Erdbeben in dem sog. pazifischen Erdbebengürtel. Dabei kann es zu direkt von dem Beben verursachten Erdrutschen, Spaltenbildung und zur Zerstörung von Gebäuden und Brücken kommen. Indirekt verursachen Beben u.a. einerseits Brände durch das Umstürzen von Feuerstellen und das Bersten von Gasleitungen und andererseits Überflutungen durch hohe Wellen. Die Folge sind große Verluste an Leben und Eigentum.

Da es trotz aller Anstrengungen der Wissenschaft bisher noch nicht gelungen ist, eine wirkungsvolle Vorhersage für Erdbeben zu entwickeln, ist die gute Vorbereitung auf ein Erdbeben deshalb der wirksamste Schutz für Leben und Eigentum. Indem Sie uns bei der Vermeidung und Bewältigung von Katastrophen helfen, schützen Sie auch Ihr eigenes Leben und Eigentum. Weiter ist wichtig, dass Sie sich auch während des Bebens und in der Zeit nach dem Erdbeben richtig verhalten um Schäden und Verluste einzugrenzen.

Vorsorge

Für die Vorsorge möchte Ihnen das Deutsche Institut Taipei einige Vorschläge machen:

- Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Wohnung darauf, dass das Gebäude den aktuellen Bauvorschriften zur Erdbebensicherheit entsprechend errichtet wurde. In Taiwan wurden die Bauvorschriften nach dem verheerenden Erdbeben 1999 verschärft.

- Sichern Sie Schränke, Regale und den Kühlschrank (z.B. durch Winkel) vor dem Umfallen. Die meisten Verletzungen bei einem Erdbeben werden durch herabfallende Gegenstände verursacht.

- Machen Sie sich mit den Notausgängen an Ihrem Wohn- und Arbeitsort vertraut. Prüfen Sie, ob sich die Türen ohne Schwierigkeiten öffnen lassen und achten Sie darauf, dass die Zugänge nicht verstellt sind. Sie sollten diese Notausgänge auch im Dunkel finden können.

- Vergewissern Sie sich über den Standort und die Bedienung der Feuerlöscher in Ihrer Umgebung. Nehmen Sie an Erste-Hilfe-Lehrgängen teil. Überprüfen Sie Ihren Verbandskasten. Halten Sie feste Schuhe und einen Satz warmer Kleidung bereit.

- Stellen Sie zu Hause und am Arbeitsplatz Taschenlampen, einen Schutzhelm und Notgepäck zusammen. Das Notgepäck sollte an Ihrem geplanten Fluchtweg verstaut sein.

- Überprüfen Sie Ihre Notfallvorkehrungen nach jedem kleineren Erdbeben.

 

Die nachfolgenden Ausführungen sollen Ihnen eine Basishilfe sein. Ausführlicher und ergänzende Ratschläge, wie Sie z.B. Ihre Wohnung „erdbebensicherer“ machen können, finden Sie auch im Informationsblatt des Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam, das ebenfalls hier eingestellt ist.

Telefonnummer im Katastrophenfall: 119

Worauf sollte ich vorbereitet sein?

Man sollte sich gedanklich mit dem Schlimmsten auseinandersetzen, um optimal vorbereitet zu sein. Es ist vorstellbar, dass

- das Erdbeben etwa eine Minute ohne Vorankündigung so stark ist, dass man sich nicht auf den Beinen halten kann. Kräftige Nachbeben folgen in den nächsten Stunden und Tagen;

- die Straßen durch Trümmer unbenutzbar sind und ein Auto in kürzester Zeit nutzlos wird, da die Polizei nur Rettungsfahrzeuge passieren lässt;

- Wasser, Strom und Telefonleitungen unterbrochen sind;

-  es in Ihrer unmittelbaren Umgebung zu Bränden kommt. Großbrände sind eine ernstere Gefahr als das Beben selbst. Aufgrund von verstopften Straßen und gebrochenen Wasserleitungen wird die Feuerwehr Schwierigkeiten haben, alle Brände schnell unter Kontrolle zu bekommen. Löschen Sie in Nachbarschaftshilfe kleinere Brände;

- Auf den Straßen stellen zerrissene Telefon- und Stromleitungen eine Gefahr dar. Halten Sie Taschenlampen bereit. Sprechen Sie vorher mit Familienangehörigen und Freunden ab, wie Sie im Ernstfall Kontakt herstellen und wo sie sich wieder treffen können. Bei einem Zusammenbruch des Telefonnetzes ist eine Kontaktaufnahme mit Angehörigen an anderen Aufenthaltsorten nicht möglich.

Wie sollte ich mich vorbereiten?

Packen Sie eine Tasche oder Rucksack, um drei Tage auf einem Sammelplatz verbringen zu können. Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass es nach einem größeren Beben ca. 3 Tage dauert, bis Hilfe von außen eintrifft.

Folgende Dinge sollten im Notgepäck gepackt sein:

Mdt. 3 Liter Trinkwasser pro Person, haltbare Nahrungsmittel (Kekse, Müsliriegel u.ä.), Schlafsack und Iso-Matte, Schutzhelm, Regenschutz, Medikamente und Verbandsmaterial, Ausweispapiere (ggf. Kopien) und Impfpass, Bargeld und Kleingeld für öffentliche Fernsprecher, Ersatzschlüssel für Ihre Wohnung/Auto, Kofferradio mit Ersatzbatterien, Landkarte Ihres Wohnortes, Taschenmesser, Taschenlampe mit Batterien, Kerzen, Feuerzeug, ggf. Ersatzbrille, Toilettenpapier, Mülltüten, (weitere) Armbanduhr, Kugelschreiber und Papier, Deutsch/Englisch-Chinesisches Wörterbuch, Schlafsack oder leichte Wärmedecken und Thermomatten. Sofern Ihr Haushalt auch Kleinkinder umfasst, sollte das Notgepäck auch ausreichend Windeln, Kinderkleidung und ggf. Babynahrung beinhalten.

Was sollte ich während bzw. unmittelbar nach einem Erdbeben tun?

Bei Aufenthalt in Gebäuden:

- Bleiben Sie im Haus, solange die Erschütterungen anhalten.

- Schützen Sie Ihren Kopf mit Hilfe eines Kissens und suchen Sie einen stabilen Zufluchtsort auf, z.B. unter einem Tisch, an der Wand oder unter einem stabilen Türrahmen.

- Weisen Sie laut die Menschen in ihrer Umgebung darauf hin, dass sie sich zuerst um ihre eigene Sicherheit kümmern sollen. Sie sollten diszipliniert die Häuser verlassen, sich von Fenstern, Glas, Hängelampen, großen Möbeln und anderen Gegenständen, die leicht herunterfallen, fernhalten und einen sicheren Ort aufsuchen. Um Brände zu vermeiden, sollten Sie den Strom und Gas abstellen.

- Die Tür des Ortes, an dem Sie Zuflucht gesucht haben, soll offen bleiben, damit sie nicht einklemmt.

- In Hochhäusern begeben Sie sich bitte ins Erdgeschoss.

- Benutzen Sie nicht den Fahrstuhl. Sie könnten eingeschlossen werden.

- Bei Benutzung von Notausgängen, Ausgängen und Treppen, vermeiden Sie Stauerscheinungen, bei denen evtl. Menschen verletzt werden könnten.

- Schalten Sie Gas und Strom ab.

- Wenn Sie gerade Bügeleisen, Toaster, usw. benutzen, ziehen Sie bitte sofort den Stecker heraus.

- Folgen Sie gegebenenfalls den Anweisungen der Angestellten vor Ort.

 

Bei Aufenthalt im Freien:

- Schützen Sie Ihren Kopf vor herabfallenden Gegenständen mit einer Tasche oder sonstigen Gegenständen, falls zur Hand. Sie werden spontan reagieren und sich unterstellen wollen, wenn Dinge um Sie herum herabfallen: Versuchen Sie einzuschätzen, ob ein möglicher Unterstand nicht zur gefährlichen Falle werden könnte.

- Besondere Gefahr geht von Mauern, Brücken, Neonreklamen, von Hauswänden und -dächern, von Masten und freiliegenden Stromleitungen aus.

- Versuchen Sie sofort größere Freiflächen zu erreichen.

- In den Bergen achten Sie auf Steinschlag und die Möglichkeit eines Erdrutsches. Halten Sie Abstand zu Steilhängen und Abbruchkanten.

- In der Folge von Erdbeben können große Meereswellen entstehen. Verlassen Sie nach einem Erdbeben sofort das unmittelbare Küstengebiet und begeben Sie sich an einen höhergelegenen Ort. Rechnen Sie mit mehreren aufeinanderfolgenden Meereswellen.

 

Im Fahrzeug:

- Während der Fahrt erkennen Sie möglicherweise nicht sofort, dass die Erde bebt. Ein verändertes Lenkverhalten (wie bei einem geplatzten Reifen) gibt ersten Aufschluss.

- Halten Sie am Fahrbahnrand und achten Sie dabei auf die Gefahr herabfallender Gegenstände (s.o.).

- Ob es besser ist, im geparkten Auto zu bleiben oder auszusteigen, kann nicht allgemein beurteilt werden. Beobachten Sie Ihre Umgebung – aber nehmen Sie sich nicht unbedingt an dem Verhalten der Insassen anderer Fahrzeuge ein Beispiel: deren Handlung könnte aus Panik falsch sein.

- Besonders problematisch sind die Überführungen bzw. Hochstraßen. Das Erdbeben Osaka- Kobe hat gezeigt, dass auch moderne Hochstraßen heftigen Erdstößen nicht immer standhalten. Allgemein muss gelten, dass Halten sicherer erscheint als eine beschleunigte Fahrt in Richtung ebener Erde. Halten Sie – sofern erkennbar - auf der Höhe von Stützpfeilern. Überzeugen Sie sich auf Strecken, die Sie oft benutzen, wo sich mögliche Fluchtwege befinden, die Sie nach Abstellen des Fahrzeugs benutzen können.

Wie verhalte ich mich nach einem Erdbeben?

- Sollte die Wasserversorgung noch funktionieren, lassen Sie provisorisch die Badewanne und Wasserbecken volllaufen. Fällt die Wasserversorgung später aus, können Sie diesen Notvorrat bzw. das Wasser aus Konserven, Boiler, Toiletten etc. nutzen.

- Prüfen Sie, ob Gasleitungen undicht sind (Geruch? Geräusch?). Wenn ja, Gas abstellen. Wenn Sie Gas riechen oder hören, schalten Sie auf keinem Fall das Licht ein!

- Prüfen Sie, ob elektrische Leitungen defekt sind (gebrochene Kabel, Funken). Wenn ja, Strom abschalten.

- Löschen Sie kleinere Brände. Beobachten Sie Ihre Umgebung und die Windrichtung.

- Falls Ihr Aufenthaltsort von Feuer bedroht oder unbewohnbar geworden ist, begeben Sie sich mit Ihrem Notgepäck zu den Sammelplätzen und dort eher auf die windabgewandte Seite.

- Schalten Sie das Radio und/oder Fernseher an. Auf vielen Fernsehkanälen werden Neuigkeiten über das Erdbeben ausgestrahlt. Nachrichten in englischer Sprache gibt es im Radio auf ICRT (Taipei FM 100.7, Kaohsiung 100.7, Taichung 100.1).

- Sollten Sie Ihr Gebäude verlassen müssen, gehen Sie in Treppenhäusern nach unten und nicht Richtung Dach.

- Sollten Sie sich in einem Küstengebiet aufhalten: Als Folge von Erdbeben können große Flutwellen entstehen, die sogenannten Tsunamis. Verlassen Sie deshalb nach einem Erdbeben sofort das Küstengebiet und begeben Sie sich auf einen höher gelegenen Platz. Rechnen Sie mit mehreren aufeinanderfolgenden Tsunamis. Entsprechende Warnungen werden im Fernsehen und Radio durchgegeben. In bergigen Gebieten kann es zu Erdrutschen kommen. Verlassen Sie auch diese Gebiete.

- Suchen Sie auf den Sammelplätzen nach anderen Europäern. Versuchen Sie, das Deutsche Institut zu erreichen. Sollten Sie das Deutsche Institut nicht erreichen können, versuchen Sie, Kontakt mit anderen EU-Vertretungen aufzunehmen.

 

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie, dass alle vorstehenden Hinweise und Ratschläge ohne Übernahme einer Gewähr gegeben werden. Sie sollen Ihnen lediglich helfen, problembewusst eigene Überlegungen hinsichtlich Ihrer persönlichen Sicherheit im Falle eines möglichen Erdbebens anzustellen.

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